Das autoritäre Erbe, das chauvinistische Denken, die patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft werden gerade auf vielen politischen Ebenen sichtbar. (Und ja auch anderswo in der Welt, aber dazu später…). Wir sehen nicht nur den Aufstieg der Rechtsextremen, der längst soweit fortgeschritten 1/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
ist, dass die Normalisierung in allen Einkommens- und Vermögensgruppen der Bevölkerung angekommen ist. (Die Reihenfolge ist da übrigens nicht von unten nach oben, das läuft von oben nach unten, und von dünn besiedelt zu dichter besiedelt. Und bevor jetzt Alarm geschrien wird, dass ich 2/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
Landbevölkerung für rückständig erkläre, auch das hat viele Gründe, einer ist z.B. rechtsexteme Strategie. Schon die NSDAP näherte sich dem Reichstag über den Landweg. Weil es viel einfacher ist, kleine Einheiten zu übernehmen z.B. – wenn man in die Geschichte der Grünen guckt, erkennt man 3/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
dass Ökologie und auch Zusammenarbeit zwischen Akademikern und Bauern kein Widerspruch sind.) In Ostdeutschland sind die Voraussetzungen für rechtsextreme Übernahmen optimal. Einerseits ja, weil es ein größeres autoritäres Erbe gibt, unaufgearbeitete Vergangenheit, die im Unterbewussten 4/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
unkontrolliert ihre Kreise zieht (sorry, aber man kann doch all diejenigen, die ernsthaft behaupten, die DDR hätte kein Erbe hinterlassen nicht mehr ernstnehmen, wenn man sieht wie da die Hymne gesungen wird, die Simson-Ausfahrten zelebriert und von in VoPo-Uniformen begleitet werden. Das ist 5/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
doch gerade in seiner Inkonsistenz ein Beleg für die gescheiterte Aufarbeitung, übrigens gesamtdeutsch. Denn diese Abgrenzung nach Westdeutschland, die Erzählung von der ostdeutschen Avantgarde funktioniert auch deshalb so gut, weil die Wessis ja die Codes größtenteils wirklich nicht verstehen 6/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
und in der Regel auch nur sehr undifferenziert kontern können, der Klassiker z.B.: Mauer wieder hoch! Oder – sollen die doch die Suppe auslöffeln. Ja, auch Westdeutschen fällt es oft schwer, zu verstehen, dass es nur 1 Deutschland gibt.) Um zur Mobilisierung zurückzukommen – entscheidend 7/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
ist die sog. Mittelschicht. Die Vorstellung, dass arme, ungebildete Menschen wahlentscheidend sind, ist vollkommen absurd. Arme Menschen gehen am wenigsten zur Wahl. Arme Menschen haben in unserer Gesellschaft den geringsten Einfluss. Reiche, sehr gebildete Menschen gründen rechtsextreme 8/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
Parteien. Die Mittelschicht zieht nach. Das Narrativ von der Profeasorenpartei, es war ein Entlastungsnarrativ für die bürgerliche Mitte. Björn Höcke war Gründungsmitglied der AfD in Thüringen. Die AfD war von Anfang an auch ein Projekt von Rechtsextremen und wäre das nicht so, dann wäre sie 9/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
heute bedeutungslos. Das autoritäre Erbe ist aber eben gerade kein ostdeutsches Problem. Es ist dort nur besonders gut in Schuss und hat auf Grund demographischer Entwicklungen, ökonomischer Verhältnisse etc. einfach einen irre fruchtbaren Nährboden. Gekrochen sind beide deutschen Staaten aus 10/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
dem gleichen Loch. Sie kommen aus den gleichen Erziehungstraditionen und gesellschaftlichen Strukturen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und zugespitzt kann man das z.B. auch an Sprüchen wie ,Mauer wieder hoch!‘ erkennen. (Überraschung auch im Westen hat der Kalte Krieg seine Spuren 11/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
hinterlassen. Übrigens auch hier gibt es wahnsinnig viel unaufgearbeitete Geschichte vor 1990. Es führt jetzt zu weit, aber das Thema Medikamententests, jugendliche Doppelagenten, Zwangsarbeitsprodukte, die propagandistische Ausbeutung von DDR-Opfern oder auch die vollkommene Ignoranz 12/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
gegenüber Kindern, die nach dem Mauerfall von ihren Eltern verlassen wurden, bis hin zur irre frühen Generalamnestie, die Aufarbeitung für viele Opfer verunmöglichte, um nur mal ein paar Stichworte zu nennen… Es spukt im Gemüt dieses Landes. Beidseitig auch der Umgang mit Migration. Noch 13/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
immer werden große gesellschaftliche Debatten quasi ohne migrantische Perspektiven diskutiert oder wenn dann als abgetrennter Bereich, Ostdeutschlanddebatten sowieso. Auch das ist irre ignorant. Wer mit Menschen im Osten spricht, wird merken, dass die Migrationspolitik der DDR, 14/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
auch der Umgang mit Migrant*innen (z.B. Separation) positive Bezugspunkte sind. Ich nenne das, was gerade von der AfD sehr erfolgreich bespielt wird, unseren autoritären Softspot. Umso größer die Krise und Unsicherheit, umso größer das Gefühl von Machtlosigkeit und Kontrollverlust, umso 15/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
stärker juckt dieser Softspot. Jeder Mensch der Kinder hat, wird das ganz gut nachvollziehen können. Du wirst in deiner Erziehungsarbeit an Grenzen kommen. Dann wirst du zwangsläufig mit der Erziehungsarbeit deiner Eltern konfrontiert. Das heißt nicht, dass du dem nachgibst, aber es ist 16/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
schwer. Denn auch wenn du das vielleicht nicht willst, du weißt dort immerhin wie und dass es funktioniert. Ein anderes Beispiel, um es nachvollziehbar zu finden, sind unsere Beziehungsmuster. Warum landen wir immer wieder in ähnlichen Konflikten und Beziehungen? Weil wir uns darin auskennen 17/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
weil wir wissen, wie wir da agieren müssen, was von uns erwartet wird. Diesem Sog nach dem Vertrauten ist wahnsinnig schwer zu widerstehen. Wir leben zur Zeit in einer Welt multipler, überkomplexer Probleme, die nicht innerhalb von einer Generation bewältigt werden können. Es gibt quasi 18/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
keine Möglichkeit, dem Gefühl der Ohnmacht zu entgehen. Und ja, dass es soweit kommen konnte, ist ein massives Systemversagen. Demokratische Systeme sind besser geeignet komplexe Problemlagen zu bewältigen (Beispiel: Pandemie), aber sie haben es nicht geschafft. Das ist keine Naturkatastrophe 19/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
und schon hat kein Naturgesetz. Es ist menschengemacht. Und auch das Stichwort: ja, Kapitalismus halt, greift hier zu kurz (und ist übrigens auch wieder ein Indiz für ein autoritäres Erbe, dazu empfehle ich einfach mal den Insta-Kanal von Ole Nyomen und seinem Mitstreiter anzuschauen. 20/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
wie die beiden andere fertig machen, im Dienste der angeblich reinen, linken Lehre, da wird mir echt nur noch schlecht.) Aber wir sehen das autoritäre Erbe dieser Republik eben auch bei unserem Kanzler, den Chauvinismus (z.B. Brasilien), das patriarchale Denken (z.B. wir tun damit auch den 21/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
Frauen keinen Gefallen, und die ganze Truppenaufstellung), aber eben auch diese absurde Vorstellung von beispielsweise der Überwachung von Gefährdern (warum kann ich die nicht orten wie mein IPad?), aber auch die Art und Weise, wie da gerade das Kabinett umgebildet wird, in dem man 22/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
seine Kollegen wie Untergebene behandelt, in dem man sie z.B. als letzte über den Rauswurf informiert. Das mag sich für denjenigen, der es tut, hart und kompromisslos anfühlen, kann aber auch Ausdruck vollkommener Unsicherheit sein. Souverän und überlegt ist jedenfalls anders. 23/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
Auch der Kanzler lebt in diesem Wahnsinn, in der Zeit mit zu großen Aufgaben und schier unlösbaren Problemen und er ist nicht der einzige im Kabinett. Aber er scheint zunehmend überfordert. Sein autoritärer Softspot wird mächtig getriggert. In immer schnelleren Folgen erleben wir 24/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
kommunikative Unfälle nach innen und außen. Das kann nicht gut gehen. Was ihn im Amt hält, ist vermutlich die Angst vor der AfD. Aber was erzählt das über den Zustand der Parteien? Traut sich wirklich niemand mehr zu in einem demokratischen Wahlkampf in überzeugen? Es ist zum Verzweifeln, 25/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
wenn man es durchdenkt. (Nun noch kurz der Exkurs, warum die internationale Rechte dem autoritären Erbe nicht widerspricht, denn ich zähle bis 10 und es wird hier sicher jemanden geben, der genau damit dagegen argumentieren wird. Nur weil wir Deutschen vielleicht das finsterste Erbe haben 26/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
heißt das nicht, das andere Länder nicht auch ein solches Erbe haben und daher diesen Softspot. Man sieht es z.B. auch daran, dass die Rechtsextremen überall auf der Welt, die Gewaltgeschichte der weißen Mehrheitsgesellschaft (u.a.) tilgen oder umdeuten wollen. Und wer glaubt, schwarze 27/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
Pädagogik wäre eine deutsche Domäne, dem empfehle ich dringend mal auf Instagram nach amerikanischen Erziehungs- oder Motivationsmethoden zu suchen. Das gilt ebenso für z.B. französische Geschichte/Erziehung etc. Wir kommen alle aus dem gleichen Sumpf, wir unterscheiden uns teils wie 28/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
tief und wie lange wir da drinsteckten.) Es ist nachvollziehbar, dass uns dieser Softspot gerade wohlig kitzelt, dass er vielen Menschen Sicherheit verspricht, die Sicherheit, dass harte Zeiten kommen, aber man zumindest die Regeln kennt und denkt, man käme da durch. Diesen Gefühlen müssen 29/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
wir als Gesellschaft widerstehen. Das können wir besser, wenn wir sie verstehen. Das können wir besser, wenn wir einander verstehen, uns gegenseitig stützen und Mut machen. Das ist der Kern der Solidarität, der Kern der Demokratie. Dazu kann jede*r Einzelne etwas tun. 30/30
— Anne Rabe (@annerabe.bsky.social) 28. Juli 2026 um 23:34
